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Romeo und Julia alias Paola und Michele – Die Liebe in Verona in Zeiten des Corona-Virus

Romeo und Julia alias Paola und Michele – Die Liebe in Verona in Zeiten des Corona-Virus

Romeo und Julia 2020 – diesmal mit Atemschutzmaske und vom Balkon aus. In Verona verlieben sich Paola und Michele während des italienischen Lockdowns ineinander, ohne sich je wirklich getroffen zu haben. Eine wahre Liebesgeschichte aus der Quarantäne, übersetzt und nacherzählt von Davide Parisi.

Romeo und Julia in der Borgo Santa Croce – Neuauflage 2020

Wer kennt die Geschichte von Romeo und Julia nicht? Auf Italienisch heißen sie „Giulietta e Romeo” – interessanterweise wird Julia im Italienischen zuerst und Romeo danach genannt. Tja, die Italiener und ihr ausgesprochen höfliches, zuvorkommendes Verhalten gegenüber Frauen. Wer verbindet mit Verona das weltberühmteste italienische Liebespaar nicht?

Romeo und Julia leben in Verona weiter – die beiden gibt es wirklich, sie heißen jetzt nur ein wenig anders: Paola und Michele, wie die italienische Zeitung La Repubblica (siehe → hier) am 06.04.2020 berichtet. Sie heißt Paola Agnelli, ist 39 Jahre alt und Rechtsanwältin. Er heißt Michele D'Alpaos, 38 Jahre alt und von Beruf Bankangestellter.

Wir sind in Verona, im Stadtviertel Borgo Santa Croce, genauer in der via Cimarosa: Paola wohnt im 6. OG der Hausnummer 8, Michele im 7. OG der via Cimarosa 9. Ihr ganzes Leben haben die beiden Tür an Tür gewohnt, sind sich vielleicht zigmal über den Weg gelaufen – ohne sich je wirklich zu bemerken.

Borgo Santa Croce in Verona – Schauplatz der modernen Liebesgeschichte.

Lockdown trennt – und führt zusammen

Das Corona-Virus trennt uns Menschen zwar voneinander und hält uns auf Distanz (siehe den neuartigen Begriff „social distancing”, auf Deutsch „soziale Distanzierung”) – doch in Verona bringt es Paola und Michele zusammen. Genau wie bei Romeo und Julia aus der via Cappello 23 wird wieder der Balkon zum Hauptschauplatz der Liebe der beiden Italiener in häuslicher Isolation.

Am 17. März 2020 steht Paolas Schwester Lisa auf dem Balkon und spielt Geige. Michele wird zuerst von der Musik und unmittelbar danach von der Frau neben der Geigerin – Paola – wie verzaubert. Micheles Hauptfokus verlagert sich vom Balkon auf einen anderen virtuellen Schauplatz: Instagram. Er sucht nach Paola auf Instagram und weiteren sozialen Netzwerken und wird auch fündig. Es folgt ein einvernehmliches, beidseitiges „Bombardement” mit Nachrichten via Smartphone: Über ihre Smartphones sind sie sich virtuell ganz nah – obwohl Paola und Michele nur eine Hausnummer voneinander trennt. Gleiche Straße, unterschiedliche Hausnummern und Stockwerke.

Julias Balkon an der Casa di Giulietta in der via Cappello 23, Verona
Julias Balkon in der via Cappello 23 in Verona. Bildquelle: Wikimedia Commons.
Humorvolle Illustration: Restaurant-Tisch mit Plexiglas-Trennwänden zur sozialen Distanzierung
Werden wir im Juli 2020 in einer Trattoria irgendwo in Italien so sitzen? 😱

„Für uns ist die Quarantäne ein Glücksfall”

„Aus verschiedenen Gründen hatte keiner von uns eine ernsthafte Beziehung”, erzählt Michele der italienischen Repubblica. „Aber jetzt sind wir wahnsinnig ineinander verliebt, wir rufen uns zehnmal am Tag an, gehen auf den Balkon hinaus und sehen uns stundenlang an.”

Das Liebespaar schwört: Sie haben sich noch nicht „live” getroffen. Noch kein realer Kontakt im „Real Life”, weil die Angst vor einer Ansteckung zu groß ist – beide leben mit älteren Eltern im Haushalt und möchten diese in keiner Weise gesundheitlich gefährden. Das Allererste, was das italienische Liebespaar tun wird, sobald die Corona-Krise vorbei ist, ist das Einfachste der Welt und vielleicht das Normalste, was Liebespaare tun, wenn sie verliebt sind: im Park Händchen halten. Ein Ding der Unmöglichkeit bei der jetzigen strengen Ausgangssperre, die nun bis zum 3. Mai 2020 landesweit verlängert wurde.

Vor lauter Liebe hängte Michele ein Banner mit Paolas Namen ans Geländer der Dachterrasse seiner Wohnanlage:

Banner mit dem Namen Paola am Geländer einer Dachterrasse in Verona – Liebesbotschaft im Lockdown
Banner mit Paolas Namen auf der Dachterrasse in Verona. Bildquelle: La Repubblica.

Paola und Michele widmen einander Lieder – von Balkon zu Balkon. Die Nachbarn, die alles längst verstanden haben, halten zu dem Liebespaar und drängen die beiden, nicht aufzugeben und in diesen Zeiten der Entbehrungen durchzuhalten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in einer solchen Situation der Entbehrung so starke Gefühle zeigen würde”, erzählt Paola, die bereits an die Zeit nach der Corona-Krise denkt. „Ich sagte ihm, er solle das Banner mit meinem Namen abnehmen und beiseite legen – wir behalten es als Andenken.”

Das Corona-Virus und das italienische Liebespaar am Balkon in Verona:
„Für uns ist die Quarantäne ein Glücksfall.”

Andere Länder, andere Trennungen

So wie eine Hausnummer Paola von Michele in Verona trennt, trennt eine Absperrung aus Metall an der deutsch-schweizerischen Grenze Paare, Freunde und Verwandte voneinander, wie in den deutschen Medien (z. B. → Süddeutsche Zeitung) berichtet wird. Andere Länder, andere Trennungen.

Nähe trotz Distanz – bleiben Sie verbunden

In diesem Sinne: Bleiben Sie Ihren geliebten Menschen so nah wie möglich. Moderne Technologien wie Alexa, Zoom, Skype, WhatsApp-Videoanrufe und Ähnliches machen es möglich. Auch ein sehr „analoges”, lieb gemeintes, kurzes „Hallo” über die Sprechanlage bei Ihrer allein lebenden Lieblingsseniorin aus dem 4. OG kann an diesen Tagen der sozialen Distanzierung viel bedeuten. Bleiben Sie bitte zuhause: Schützen Sie sich, damit Sie andere schützen.

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